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Investment

Rendite ist nicht Überschuss: Welche Kosten Kapitalanleger regelmäßig unterschätzen

Finanzunterlagen und Taschenrechner – Foto: Kelly Sikkema / Unsplash

Eine Kapitalanlage wird häufig mit einer einzigen Kennzahl beworben: Kaufpreis, Jahreskaltmiete, daraus die Bruttorendite. Für einen ersten Vergleich ist das nützlich. Für die wirtschaftliche Entscheidung reicht es nicht.

Die Bruttorendite berücksichtigt weder laufende Eigentümerkosten noch Instandhaltung, Finanzierung, Leerstandsrisiken oder künftige Investitionen. Zwei Wohnungen mit derselben Bruttorendite können deshalb einen sehr unterschiedlichen tatsächlichen Überschuss liefern.

Hausgeld ist nicht vollständig umlagefähig

Bei Eigentumswohnungen zahlt der Eigentümer regelmäßig Hausgeld an die Gemeinschaft. Darin stecken umlagefähige Betriebskosten, aber auch Kosten, die beim Eigentümer verbleiben, sowie Beiträge zur Erhaltungsrücklage. Für die eigene Kalkulation sollte deshalb nicht einfach das gesamte Hausgeld von der Miete abgezogen oder vollständig auf den Mieter übertragen gedacht werden.

Hinzu kommen mögliche Sonderumlagen und der Zustand des Gemeinschaftseigentums. Eine Wohnung mit guter Miete kann wirtschaftlich schwach werden, wenn kurz nach dem Kauf größere Arbeiten an Dach, Fassade oder Haustechnik anstehen.

Finanzierung verändert den laufenden Überschuss

Auch Zins und Tilgung sind getrennt zu betrachten. Zinsen gehören zu den Finanzierungskosten; die Tilgung baut Vermögen auf, belastet aber trotzdem die monatliche Liquidität. Für die Frage, ob eine Anlage aus sich heraus trägt, muss deshalb die tatsächliche monatliche Zahlungsreihe betrachtet werden.

Bei vermieteten Gebäuden können außerdem energetische Kosten relevant sein. Seit 2023 werden CO₂-Kosten für bestimmte fossile Heizungen zwischen Vermietern und Mietern aufgeteilt. Auch solche Positionen gehören in die realistische Betrachtung.

Eine gute Kapitalanlage braucht Reserven

Selbst bei sauberer Kalkulation bleibt Immobilienbesitz nicht vollständig planbar. Reparaturen, Mietwechsel oder unerwartete Gemeinschaftsbeschlüsse können auftreten. Eine Finanzierung, die nur im Idealfall funktioniert, ist deshalb unnötig fragil.

Die sinnvollere Frage lautet nicht: „Wie hoch ist die Rendite?“ Sondern: Welche laufenden Einnahmen bleiben nach realistischen Kosten, welche Risiken sind eingepreist und wie robust ist die Anlage über mehrere Jahre?

Weiterführend im Archiv

Archivhinweis: Dieser Beitrag wurde nachträglich als historische Einordnung erstellt. Tatsachen und Bewertungen beziehen sich auf den im Beitrag zugrunde gelegten damaligen Daten- und Rechtsstand; spätere Querverweise sind heutige Archivpflege.

Quellen und Datengrundlage

Allgemeine wirtschaftliche Einordnung; steuerliche Auswirkungen sind individuell zu prüfen.